Methoden und Techniken der Wissensverarbeitung
 

Workshopbericht

orkshoptermin und -zeit: Do 15.3.2001,15.00-18.00 Uhr & Fr 16.3.2001, 10.30-13.00 Uhr

   
 

Wissen ist seit jeher ein bedeutender Wettbewerbsfaktor für Unternehmen. Erst in neuerer Zeit jedoch wird das Management dieser Ressource als betriebliche Führungsaufgabe betrachtet.

Um Wissen explizit und damit maschinell verarbeitbar zu machen, benötigt Wissen stets eine Repräsentation. Diese kann, je nach Art des Wissens und der geplanten Anwendung, vielfältige Erscheinungsformen haben, die von der gesprochenen über die geschriebene Sprache bis hin zu logik-basierten Formalismen reichen. Um betriebliches Wissen zu erschließen, ist oftmals die Verwendung vorhandener unvollständiger Wissensrepräsentationsformen erforderlich. Für die Konzeption einer IT-basierten Wissensmanagementumgebung ist die Auswahl des Repräsentationsformalismus und der Verarbeitungsmethoden von wesentlicher Bedeutung.

Zeitplan

Donnerstag, 15. März 2001

15.00-15.15 Begrüßung
15.15-15.55 A. Becks, R. Klamma: 
Kooperative Dokumentanalyse in einem interdisziplinären Forschungskolleg 
16.00-16.40  M. Noll, A. Kopsca, G. Seidler, E. Schiebel:
Generierung von Wissenslandschaften mit dem bibliometrischen Tool BibTechMon 
16.45-17.25 A.Jesse:
Aufbau einer Wissensbasis in einer Internationalen Organisation:
Erfahrungen und Anwendungen
17.30-17.45  Diskussion
 

Freitag, 16. März 2001

10.30-11.10 G. Schimm: 
Process Mining linearer Prozessmodelle: Ein Ansatz zur automatisierten Akquisition von Prozesswissen 
11.15-11.55  R. Bimazubute, H. Stoyan, M. Müller:
Toolgestützte Nachbereitung von Experteninterviews für den Aufbau hypertextbasierter Wissenssysteme 
12.00-12.40  B. Grille, B. Gaede, M. Müller:
AbITus - Aufgabenbezogene Informations- und Tutorsysteme 
12.45-13.00  Diskussion

Themengebiet der Veranstaltung

In dem Workshop werden unterschiedliche Methoden und Techniken der Wissensverarbeitung in Bezug auf das Wissensmanagement diskutiert. Hierzu werden Beiträge aus Theorie und Praxis erwartet, die sich mit den verschiedenen Methoden und ihren Kombinationen auseinandersetzen. Berichte aus der Praxis sind ebenso erwünscht wie theoretische Grundlagen. Mögliche Themen sind:

  • Erfahrungsberichte von Anwendungen von Wissensverarbeitungsmethoden im Wissensmanagement
  • Theoretische Grundlagen für den Einsatz von Methoden und Techniken der Wissensverarbeitung im Wissensmanagement
  • Vergleichende Analysen verschiedener Repräsentationsformen
  • Methoden der Wissensakquisition im Wissensmanagement
  • Einsatz von Methoden der Künstlichen Intelligenz in Wissensmanagementsystemen
  • Verfahren zur Strukturierung und Erschließung von Texten
  • Einsatz von Suchmaschinen und intelligenten Agenten
  • Integration von Wissensmanagementtechnologien und CSCW (Groupware, Workflowmanagementsysteme, Dokumentenmanagement)
  • Information Brokerage-Technologien
  • Einsatz von Push-Technologien
  • Aufbau und Pflege von Knowledge Maps und Knowledge Repositories

Beiträge

Der Aufruf zur Einreichung von Beiträgen richtet sich an Wissenschaftler und Praktiker, die bereits Anwendungserfahrungen mit Technologien des Wissensmanagements gesammelt haben. Die geplante Vortragsdauer beträgt jeweils 30 Min. zzgl. Diskussion.

Die akzeptierten Beiträge werden in Form von Workshop-Proceedings und als Bestandteil der WM2001-Konferenz-CD publiziert. 

Termine

15. Oktober 2000: Einreichung von Workshopbeiträgen.
15. November 2000: Benachrichtigung der Autoren über Annahme/Ablehung Ihrer Beiträge
1. Februar 2001: Endversion der Workshopbeiträge zur Drucklegung abgeben.

Organisationskomittee

Dr.-Ing. Norbert Gronau
Universität Oldenburg,
Fachbereich Informatik
Professur Wirtschaftsinformatik
Escherweg 2
26121 Oldenburg
Tel. 0441/ 9722-150
Sekr. 0441/ 9722-201
Fax 0441/ 9722-202
http://www-wi.offis.uni-oldenburg.de/
E-Mail: norbert.gronau@informatik.uni-oldenburg.de

Dr. Gerd Stumme
Institut für angewandte Informatik und Formale Beschreibungsverfahren (AIFB)
Universität Karlsruhe (TH)
D-76128 Karlsruhe
Tel.: 0721/608-4754
Fax: 0721/693717
http://www.aifb.uni-karlsruhe.de/WBS/gst/
E-Mail: stumme@aifb.uni-karlsruhe.de

Programmkomittee

  • J. Angele (Ontoprise GmbH, Karlsruhe)
  • D. Fensel (Vrije Universiteit Amsterdam)
  • N. Fuhr (Universität Dortmund)
  • F. Lehner (Universität Regensburg)
  • F.J. Radermacher (FAW Ulm)
  • H. Stoyan (FORWISS, Erlangen)
  • R. Wille (Technische Universität Darmstadt)
  • M. Zickwolff (navicon GmbH, Frankfurt)

Workshopbericht

Norbert Gronau, Gerd Stumme

Wissen ist seit jeher ein bedeutender Wettbewerbsfaktor für Unternehmen. Erst in neuerer Zeit jedoch wird das Management dieser Ressource als betriebliche Führungsaufgabe betrachtet.

Um Wissen explizit und damit maschinell verarbeitbar zu machen, benötigt Wissen stets eine Repräsentation. Diese kann, je nach Art des Wissens und der geplanten Anwendung, vielfältige Erscheinungsformen haben, die von der gesprochenen über die geschriebene Sprache bis hin zu logik-basierten Formalismen reichen. Um betriebliches Wissen zu erschließen, ist oftmals die Verwendung vorhandener unvollständiger Wissensrepräsentationsformen erforderlich. Für die Konzeption einer IT-basierten Wissensmanagementumgebung ist die Auswahl des Repräsentationsformalismus und der Verarbeitungsmethoden von wesentlicher Bedeutung.

Innerhalb des Workshops "Methoden und Techniken der Wissensverarbeitung" wurden sowohl unterschiedliche Methoden und Techniken der Wissensverarbeitung in Bezug auf das Wissensmanagement als auch deren Anwendungen in konkreten Problemdomänen diskutiert. Der Beitrag von A. Becks und R. Klamma befaßte sich mit der kooperativen Dokumentenanalyse in einem interdisziplinären Forschungsprojekt anhand der Arbeit in einem Forschungskolleg/Sonderforschungsbereich. Als Werkzeug zur Unterstützung der frühen Phase der Terminologiearbeit wird ein auf Dokumentlandkarten basierender Ansatz genutzt.

M. Noll et al verwenden bibliometrische Verfahren zur automatischen inhaltlichen Strukturierung von Informationen und zur Erstellung von Wissenslandkarten. Dabei werden Objekte aufgrund der Identifikation ihrer inhaltlichen Zusammenhänge strukturiert und graphisch dargestellt. Einsatzbereich des hier vorgestellten Verfahrens ist das Technologiemanagement.

Ausgehend von der Metapher des Institutionalen Gedächtnisses stellte A. Jesse den Entwurf eines Organizational Memory einer internationalen Organisation, der ILO, vor. Der Wert des Beitrags liegt insbesondere in den dort zusammengestellten Praxiserfahrungen beim Aufbau von Suchmaschinen und der Integration von Informationen aus mehreren heterogenen Datenquellen.

G. Schimm stellte in seinem grundsätzlich einzuordnenden Beitrag einen Ansatz zur automatisierten Akquisition von Prozeßwissen vor, den er als Process Mining bezeichnet. Dieser Ansatz könnte dazu beitragen, auf der Basis von Aufzeichnungen über reale Vorgänge Prozeßwissen zu akquirieren.

Anforderungen an ein Werkzeug zur Nachbereitung und Wissensextraktion aus Experteninterviews stellten R. Bimazubute et al in ihrem Beitrag vor. Dabei gingen sie zunächst auf die im Zuge der Nachbereitung von Experteninterviews notwendigen Schritte ein.

Eher auf das Vorgehen bei der Erstellung von tutoriellen Systemen zielten B. Grille et al mit einem Vorschlag für eine aufgabenbezogene Gestaltung, die sich an den Prinzipien der Anchored Instruction, des problemorientierten Lernens und des Situated Learning orientiert. Angewendet wurde die Methodik in einem Content Management System. Die Beiträge zeigen daß insbesondere in den Bereichen der Vokabularerstellung, der Toolunterstützung und der Gestaltung von Vorgehensmodellen noch erheblicher Forschungsbedarf besteht, auch wenn bereits jetzt erhebliche Fortschritte erzielt werden konnten.